Das geht mir schon seit Jahren auf die Nerven, hier sind doch Menschen am Werk!

Das Spiel hat von beiden Seiten sehr zurückhaltend begonnen. Anhand der Tabellenkonstellation wollten beide Mannschaften nicht verlieren und nicht das erste Tor kriegen.
Beide haben geschaut, was der andere macht. Die Entscheidung ist dann erst in der zweiten Halbzeit und da recht spät gefallen. Das Europacup-Spiel von Rapid unter der Woche hat sicher wieder eine Rolle gespielt.

Europacup-Spiele als taktischer Vorteil für die Gegner

Ich würde den Grund aber nicht in der körperlichen Müdigkeit sehen, sondern im taktischen Vorteil für den Gegner.
Die Gegner wissen, dass Rapid unter der Woche gespielt hat. Sie können ihre Taktik genau darauf ausrichten. Die Gegner wissen um ihren Vorteil genau Bescheid.
Dieser Joker ist ein großer Vorteil. Man hat das auch im Derby gesehen.

Austria-Trainer Thorsten Fink hat mit Kevin Friesenbichler noch einmal einen Stürmer eingewechselt, der dann das entscheidende Tor geschossen hat. Er hat genau diesen Vorteil noch einmal ausgenutzt.
 
Es hat auch viel mit geistiger Müdigkeit zu tun, auch das hat man am Sonntag in der Schlussphase bei Rapid gesehen: Da rutscht einer aus, dort passiert ein Fehler, hier kommt einer zu spät und verursacht ein Foul. Dazu ist es mental für die Rapid-Spieler nicht leicht. Du hast gerade ein Highlight gehabt und weißt, da kommt ein Gegner, der in Form und frisch ist. 

Holzhauser ist Austrias Schlüsselspieler

Bei der Austria hat in diesem Spiel wie schon in den letzten Wochen Raphael Holzhauser eine Schlüsselrolle gespielt. Seitdem er den Sechser macht, seitdem er die Position von Vukojevic übernommen hat, läuft das Austria-Spiel hervorragend.
Vukojevic hat fast immer in die Breite gespielt, Holzhauser spielt dagegen fast immer in die Tiefe. Er ist ein Mitgrund, warum die Austria jetzt viermal gewonnen hat und von den Punkten her ganz oben steht.
Als abkippender Sechser ist er für den Spielaufbau verantwortlich. Mit seinen vertikalen Pässen sind in kürzester Zeit ein, zwei gegnerische Linien überspielt. Deshalb sind sie in den letzten Wochen erfolgreich.

Spieler werden viel zu schnell beurteilt

Dazu ist mir noch ein Punkt wichtig. Es geht mir schon seit Jahren irrsinnig auf die Nerven, dass die Spieler überall viel zu schnell beurteilt werden.
Nach der zweiten Woche wird schon gefragt, war das nicht vielleicht ein Fehlkauf ? Das ist absoluter Blödsinn!

Holzhauser ist auch schon im Winter zur Austria gekommen und zeigt erst jetzt seine volle Stärke. Bei Rapid ist es mit Matej Jelic jetzt das gleiche. Es dauert einfach, bis sich die Spieler ans neue Umfeld und die neue Mannschaft gewöhnt haben. Wenn ein Mensch eine neue Arbeit in einer neuen Firma antritt, braucht es auch seine Zeit, bis er alles weiß. Im Fußball ist es dasselbe. 

Ich verstehe nicht, warum die Leute nicht erkennen, dass hier Menschen am Werk sind. Als ich noch bei Rapid aktiv war, ist Nikica Jelavic auch monatelang hinter Maierhofer und Hoffer auf der Bank gesessen, und jetzt spielt er in der Premier League. Das heißt aber nicht, dass das damals eine Fehlentscheidung war. Bei Robert Beric war es in Graz das gleiche, als er nach Österreich gekommen ist.

Noch ein Wort zur Tabellensituation: Ich glaube, dass die Austria bis zum Schluss ganz oben mitspielen wird. Ich erwarte einen Dreikampf und würde Rapid auf keinen Fall schon abschreiben.  

Thorsten
Fink macht das bei der Austria sehr gut. Er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, etwa die Pfiffe nach der 2:0-Führung gegen Grödig vergangene Woche. Die Mannschaft spürt das und gibt es ihm zurück. So ruhig wie Thorsten Fink ist, spielt die Mannschaft derzeit auch.

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